3. Etappe: Von Karben bis ans Kap – eine europäische „Roadshow“

Ein zuverlässiger Freund auf dieser Tour: Mein Saab 9-3

Erfahrungen durch „Erfahren“ und eben „nicht fliegen“ – das ist die Quintessenz dieser Etappe: Eine Hommage an das amerikanische Roadmovie der 1960er- und 1970er Jahre, vierzig Jahre später durchgeführt in Europa – dem Kontinent ohne Grenzen und voller Standards. So scheint es.

Mautstationen, Rastplätze und Tankstellen sind die einzigen Haltepunkte. Das Warensortiment variiert minimal, das Geld ist das gleiche, ebenso Musik- und Radioprogramm. Die Landschaft saust weniger als halb so schnell als im Flugzeug an einem vorbei und trotzdem nimmt man die Veränderungen erst nach einigen hundert Kilometern wahr. Spritpreise und Tempolimits interessieren am meisten. Der gute, alte Shell Atlas hat ausgedient – mein Navigationssystem (ver-)führt mich auf manchmal unbekannte Wege durch den Dschungel der subventionierten südeuropäischen Autobahnen.

Man kann ohne weiteres in zwei Tagen die besagte Strecke erfahren – „durchrauschen“ wäre ein besserer Begriff. Das habe ich auf der Rückfahrt gemacht 😉

Auf der Hinfahrt nahm ich mir zwei Wochen Zeit und erfuhr die Distanz auf mehrere Tage verteilt – bemüht, nicht die schnellste, sondern die interessanteste Route zu fahren.

Stil der Reise: Zwischen so...

... und so.

Überquerte Gebirge und berühmte Brücken, fuhr auf Serpentinen und auf Schnellstraßen.Ich traf unterwegs meine Familie, meine Freunde, besuchte historische Sehenswürdigkeiten oder auch nur Orte „wo ich immer schon mal hinwollte“. Ziel war das Kap São Vicente am südwestlichsten Punkt des Kontinents.

Kap São Vicente - Ende Europas und Ausgangspunkt der portugiesischen Entdeckerreisen

Was bleibt sind Eindrücke von fünf sehr verschiedenen Ländern, aufgefangen aus der selben Perspektive. Inspiration gab mir Wim Wenders Film „Lisbon Story“, der streckenweise in den ersten zehn Minuten ähnlich verläuft. Bemerkenswert ist Rüdiger Voglers Statement über Europa:

Eins vorweg: Alles verlief ohne Pannen und nicht wie hier gezeigt:

Pfalz und Elsass

Der Zwischenstopp bei meinen Freunden in der Pfalz hatte es in sich: Besten Wein und eine herzliche Gastfreundschaft. Die erste Grenze von Deutschland nach Frankreich glich einer Bushaltestelle – in Lauterbourg verläuft diese quer durch den Ort. Kaum zu glauben, daß man hier mal kontrolliert wurde… Noch ist die Landschaft die gleiche wie in der Pfalz, nur die Straßenschilder unterscheiden sich. Autobahngebühr gibts im Elsass nicht – ein altes Relikt aus der Besatzungszeit. Strasbourg fliegt mir entgegen, nach kurzer Fahrt stehe ich bei meiner guten Freundin Isabelle in Cronenbourg.

Bei Isa in Cronenbourg/Strasbourg

Strasbourg - Fachwerk und Münster

Tango auf der Straße in Strasbourg mit Gotan Project, Champagner und Panama

Je te remercie pour cettes belles danses

Durch Burgund nach Süden in die Ardèche

Rechts die Vogesen - auf der Fahrt nach Süden

Immer konzentriert - - -

Beaune im Herzen Burgunds

Tunnel bei Lyon

Dorfeinfahrt mit Viadukt

Dorfstraße in Vogüe bei meinem Onkel

Es wurde ein schönes Wiedersehen mit meinem Vater, meinem Onkel und Monsieur Dieter Rack. Wanderungen und Wein fallen mir ein: Quer durch die Schluchten der Ardèche, über Feld und Flur.

Renaissanceschloss in Vogüe

Morgensonne im Schlafzimmer

Flusslauf der Ardèche

Durchs Rhônetal, durch den Regen bis in die Pyrenäen

Lyon

Auf der Landstraße im Languedoc-Roussillon

Eine Fahrt durch Frankreich hat viel mit der legendären Tour de France zu tun: Es gibt immer Etappen die sich landschaftlich fundamental unterscheiden – Sprintstrecken auf den Autobahnen, Serpentinen in den Bergen, Steigungen und Kletterstücke. Außerdem sorgt die Streckenkontrolle (Radar und Blitzer überall), dass man gleichmäßig die Durchschnittsgeschwindigkeit hält. Letzten Endes kommt man immer ins Ziel, und sei es nur durch den Bogen der nächsten Péage-Station.

Zieleinfahrt zur Mautstation

Und immer wieder Regen...Regen...

...Regen...Regen

Und auf einmal stehen sie vor einem - die Pyrenäen

Stetig steigend

Angekommen am Pass in 2100m Höhe

Etappenziel Andorra

In den Häuserschluchten der Hauptstadt

Der Bergstaat und Zwergstaat Andorra ist ein langgezogenes Tal mitten in den Pyrenäen, mit großer Anziehungskraft: Einerseits als Steueroase für Briefkastenfirmen, andererseits als Bettenburg für Wintertouristen. Von beiden bekam ich im Juni sehr wenig mit. Ich tat es den vielen Tagestouristen gleich, die hier preiswert tanken und Tabakwaren einkaufen…

Spanien in einem Tag wie Licht und Schatten: Vom Baskenland auf die kastilische Hochebene

Surferparadies Mundaka

Spanien empfing mich grau und rau an der Atlantikküste im Baskenland: Wolken fliegen tief und hüllen die schroffen Berge in Dunst und Nebel. So auch an diesem Tag. Keine drei Stunden später ein komplett verschiedenes Bild: Die flache Hochebene Kastiliens liegt flach wie eine Flunder vor mir, die Sonne scheint das erste Mal seit einer Woche und es wird alle 50km ein Grad° Celsius wärmer.

Ciudad Rodrigo - Ende der Spanienetappe

Am Ende der Spanienfahrt wähnte ich mich in Mexiko: Die Festungsstadt Ciudad Rodrigo hat ihren historischen Kern aus dem 18. Jh. komplett restauriert, auf dem Rathausplatz stehen noch die Kanonen von den Napoleonischen Belagerungen.

Immer mit dabei  – zur besseren Aufklärung vor Ort – ist mein Fahrrad. Erleichtert so manche Strecke, besonders im Gassengewirr der Altstadt.

Portugal

Angekommen an der Grenze

Es ändert sich auf einen Schlag alles, wenn man die Grenze überfährt: Der Spritt ist 30 Cent teurer, die trocken-braune Ebene verwandelt sich in eine grüne, hügelige Landschaft – auch die Maut gibt es wieder. Jetzt sind es nur noch 200km bis Lissabon mit seinen großartigen Brücken, die allein schon einen Artikel wert sind:

Lissabon: Ponte 25 de abril

Und immer das Surren unter den Rädern...

Lissabon: Ponte Vasco da Gama

Raus aus der Stadt – Richtung Alentejo in Südportugal

Angekommen am Ziel: Das Kap São Vicente

Steilküste mit Brandung

Am Ziel angekommen

Der Wind peitscht mir ins Gesicht – obwohl die Sonne brennt, ist es so kalt, dass ich eine Jacke anziehen muss. Von hier starteten die Entdecker vor mehr als 500 Jahren auf ihre abenteuerlichen, unbekannten Reisen aufs Meer hinaus. Auch für mich soll dieser Punkt den Beginn meiner Tour markieren…

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Der Portugiesische Sommer

2 Antworten zu “3. Etappe: Von Karben bis ans Kap – eine europäische „Roadshow“

  1. susa

    heydu,

    wo steckst du gerade?
    lg susa

  2. Veli

    Du weiß wie ich über das alles hier denke…
    Bin stolz auf Dich 🙂

    LG
    Veli

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